Altlasten
Töss-Blog
Geschrieben von: Werner Frei   
Mittwoch, den 02. Juli 2014 um 00:00 Uhr

Die Beige im Büchergestell steht gefährlich schief. Sie besteht aus fast neuen Schreibblöcken, noch brauchbaren Sichtmäppchen aus Plastik, erst einmal verwendeten Bücher-Versandhüllen aus Karton und dergleichen. Das Ganze droht zu kippen, also muss die Beige neu organisiert werden, genau das Richtige für einen Regentag.

Beim Rückbau dieses Papeterie-Lagers  taucht zuunterst ein Briefkorb auf, sauber beschriftet mit „Diverses zum Ablegen“. Neben alten Bussenquittungen, Garantiescheinen für längst entsorgte Apparate, den Fichen des Staatschutzes (das wäre ein Thema für sich) findet sich auch einiges zu Töss.
Ein Fragebogen des Quartiervereins Eichliacker wollte 1992 von den Quartierbewohnerinnen und -bewohnern wissen, welchen verkehrsberuhigenden Massnahmen sie zustimmen würden. Ein Jahr später wurde die Auswertung der Umfrage von einem gewissen Matthias Gfeller vorgenommen und kam zum Schluss, dass Sperrungen für Motorfahrzeuge an der Eichliacker-, Strittacker- unde Rosenaustrasse befürwortet würden, nicht aber eine Sperrung der Dammbrücke wie offensichtlich damals von den Behörden favorisiert. Ein Jahr später wiederum, 1994,  fand dann im reformierten Kirchgemeindehaus eine öffentliche Veranstaltung zu diesem Thema mit verschiedenen Chefbeamten statt. Heute wäre dies ohne zuständigen Stadtrat nicht möglich.
Ebenfalls aus dem Jahre 1994 stammt ein Papier der „Arbeitsgruppe Quartierentwichklung“ der SP Töss, welches mit „Sicherheit für alle im Strassenverkehr“ überschrieben ist. Darin werden in elf Bereichen Verbesserungen gefordert, vor allem natürlich für den Langsamverkehr. Noch aus dem  gleichen Jahr datiert eine Sitzungseinladung vom damaligen Stadtrat Hans Hollenstein an diese Arbeitsgruppe, um die eingereichten Vorschläge zu besprechen. Die aufgemalten Fussgängerbereiche auf der Agnesstrasse, die Linksabbiegerspur für Velos ins Schwimmbad, der – fast - durchgehende Radweg auf der Schlosstalstrasse und die weitgehende Unterbindung des Schleichverkehrs von der Schlosstalstrasse via Emil-Klötistrasse waren direkte Folgen dieser Aussprache. Andere Themen, etwa die Fussgängerquerung beim Zentrum Töss, die Situation im Nägelsee sind heute noch aktuell.
Aus der selben Zeit etwa stammt ein Entwurf der späteren Gemeinderätin Regula Forster für eine Initiative zur Freihaltung des Brühlberg Südhangs. Diese wurde schliesslich von der Tössemer Bevölkerung angenommen, von der Mehrheit der Stadt leider abgelehnt. Wenn man heute einen Blick auf die Sprungschanzen gleichenden hässlichen Bauten wirft, kann man dies nur erneut bedauern.
Auch ein hässlicher Briefwechsel zu einem Rücktritt aus der heute nicht mehr bestehenden Kindergartenkommission findet sich schliesslich auch noch unter den wiedergefundenen Akten, den zitiere ich hier aber lieber nicht.

 

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Werner Frei,
aufgewachsen im Tössfeld,
wohnt seit 1992 im Eichliacker