Töss-Blog
Im Töss-Blog schreiben Tössemerinnen oder Tössemer über Töss oder darüber, was sie in Töss beschäftigt. Jede Woche erscheint ein neuer Beitrag, jeden Monat schreibt einen neue Autorin, ein neuer Autor.

Weltstadt Töss
Töss-Blog
Geschrieben von: Rainer Zäh   
Mittwoch, den 03. August 2011 um 00:00 Uhr


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Auf dem Seerücken zwischen Kreuzlingen und Romanshorn befindet sich noch bis Ende dieser Woche eine Stadt, in der Ägypter und Maoris, Chinesen und Azteken, Nomaden und Piraten friedlich zusammenleben. Gemeinsam wurden vor zwei Wochen Stadtmauer, Aussichtsturm und viele Sarasani-Zelte errichtet. Inzwischen brodelt das Leben auf dem Marktplatz in den Feldküchen oder vor dem Stadthaus, wo sich die Völker zu Musik und Tanz versammeln. Ganz frisamir-hotschi-149x300edlich geht‘s dann doch nicht immer zu und her – versucht doch die mafiöse Immobilienhändlerin Donna Luzia Satanini das bunte Miteinander in rentable Immobilienprojekte umzumünzen (Brühlberg-Südhang und Dättnau lassen grüssen). Doch die Solidarität unter den verschiedenen Völkern besiegt schlussendlich die Raffgier von Donna Luzia. Seinen Teil dazu trägt auch Bürgermeister Samir Hotschi bei, bei dem ich an unseren Stapi denken muss.

Ich befinde mich auf Besuch in der Weltstadt, dem gemeinsamen Sommerlager der Cevi-Abteilungen von Winterthur bis Schaffhausen. Mitten in dem Meer aus Zelten, das über 700 Teilnehmer beherbergt, sticht das riesige Holzschiff der Tössemer Piraten ins Auge. Töss ist eine der grössten und aktivsten Cevi-Abteilungen in der Region. Gegen 80 junge Tössemerinnen und Tössemer verbringen ihre Ferien in der Natur beim Bodensee, bauen zusammen eine ganze Stadt auf und erleben Gemeinschaft intensiver und ganz anders als im Schul- und Alltagstrott.

Wieder zurück in Töss erinnert mich diese Weltstadt an die Vielschichtigkeit der Kulturen in unserem Quartier. Kein Wunder – auch der Gesamtprojektleiter kommt aus ... ... Töss!

 

weitere Infos zum Weltstadt-Lager: weltstadt.ws

 

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Rainer Zah,
in Töss wohnhaft seit Oktober 1995

 
Lahmacun forever
Töss-Blog
Geschrieben von: Monika Imhof   
Mittwoch, den 27. Juli 2011 um 00:00 Uhr
Die Tössemer und Tössemerinnen sind ja verwöhnt, was Essen im Quartier betrifft, feine Pizzerias wie das Cardinal, das neben Pizzas auch wunderbare Maccarunni alla Fefé anbietet, der Grüne Hund, eine kulinarische Bereicherung fürs Quartier, im Bahnhöfli kann man auch wieder gut essen, die Platanenbäume laden rein theoretisch zu lauen Sommerabenden im Castello usw. usw. was wünscht die verhungernde Seele mehr….

Mein heimlicher Favorit in Töss hat weder weisse Tischtücher noch kleine Vasen mit einer Blume auf dem Tisch, man kann weder mit Lunchchecks noch mit der Visa bezahlen, und die Tische draussen stehen direkt an der meistbefahrenen Strasse Winterthurs: richtig kombiniert, ich meine das Poly Bistro im Zentrum Töss. Es gibt dort alles, was das Fastfood-Herz begehrt, in einer guten Qualität, aber es ist eben ein türkisches Fastfood-Restaurant, nicht mehr und nicht weniger.

Ja warum ist es denn mein Favorit? Warum dieser Gesinnungswandel von Gäbeli zur Kebab-Box? Es ist ganz simpel: ich fühle mich dort schlicht und einfach sehr wohl, die BetreiberInnen – ich habe noch nicht verstanden, wer neben den Brüdern Aziz und Ibrahim sonst noch zur Familie gehört - sind einfach wahnsinnig nett und so kinderfreundlich, dass einem das Herz aufgeht. Ich fühle mich immer willkommen, das Essen ist ehrlich und gut, neben dem obligaten Kebab hat es Gemüse, Falafel, Pizzas, Fritten usw. Die Gäste kommen aus allen Herren Länder, Türkei, Töss, Spanien, Albanien, Oberi, Jung, Alt, mit und ohne Kinder, und sie kommen immer wieder.

Wer jetzt noch wissen will, was ein Lahmacun ist – ich esse im Poly Bistro immer ein Lahmacun – dem rate ich: einfach vorbeigehen und ausprobieren – am Computer sitzen bleiben und googeln ist zwar billiger und geht schneller, ist aber viel weniger fein.
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Monika Imhof,
in Töss wohnhaft seit 3. April 1993,
Präsidentin Tösslobby

 
Gesucht: Schinken – Sitzungstermin - gipfel
Töss-Blog
Geschrieben von: Monika Imhof   
Dienstag, den 12. Juli 2011 um 08:59 Uhr
Letzte Woche hatte ich eine Vorstandssitzung der Tösslobby, der Termin war kurzfristig zustande gekommen, sehr kurzfristig...

Meinen hyperflexiblen Vorstandsmitgliedern der Tösslobby sei hier gedankt. Einen Sitzungstermin so kurzfristig zu finden ist nämlich schon fast die Quadratur des Kreises! Alle mit Schulkindern wissen, dass sich zwei bis drei Wochen vor den Sommerferien die Termine nur so jagen. Abschlussfest da, Schinkengipfel backen und mitbringen dort, das letzte Training des Kindes will auch kulinarisch gewürdigt werden!

Das kurze Statement meiner Tochter - „Mamma, deine Schinkengipfel sind die besten, alle, die sie je probiert haben, werden in ihrem Leben nie mehr tiefgefrorene Schinkengipfel kaufen, nie mehr!" - hat seine Wirkung selbstverständlich sofort gezeigt: Meine malträtierte Mutterseele blühte auf und ich begann den Einkauf aller Zutaten zu planen.

Zwischendurch habe ich einen Doodle gestartet, wann sollte man auch noch allen SitzungsteilnehmerInnen telefonieren, zwischen Schinkengipfel und Fingerfood-Produktion? Wo ich im untenstehenden Rezept den Doodle geschrieben habe, verrate ich nicht.

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Schinkengipfel

Zutaten:

  • 1 runder Blätterteig ca. 340 g, ausgewallt
  • 70 g Roquefort Käse
  • 100 g Rohschinken
  • 2 Esslöffel Philadelphia oder Quark oder Ricotta
  • 1 Eigelb

Vorgehen:

  • Rohschinken klein schneiden, in kleine Schale mit zerstückeltem Käse und Quark etc. geben, zu einer Masse vermengen
  • Ausgewallten Teig in acht Teile schneiden
  • Die Masse gleichmässig darauf verteilen, im breiten Teil des ausgeschnittenen Sektors
  • Von hinten her zusammenrollen und zu einem Gipfel formen
  • Auf Blech geben, mit Eigelb bestreichen
  • Auf ca. 200 Grad für 20 Minuten backen.
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Monika Imhof,
in Töss wohnhaft seit 3. April 1993,
Präsidentin Tösslobby

 
Scheiden tut so weh
Töss-Blog
Geschrieben von: Monika Imhof   
Dienstag, den 19. Juli 2011 um 00:00 Uhr
In der letzten Schulwoche vor den Ferien wage ich mich an ein kontrovers diskutiertes Thema: die Schule.

Auf der einen Seite habe ich ein Kind zuhause, das nach sechs Jahren Primarschule in Töss sehr traurig ist, nach den Sommerferien nicht mehr hier in die Schule gehen zu dürfen. Sie habe eine so tolle, coole Klasse gehabt, mit ihren Freundinnen, aber auch den Jungs sei es einfach megalässig gewesen. Meine Trauer hält sich in Grenzen, denn mir haben drei Jahre nicht gereicht, um Muhammed von Mohammed und diesen wiederum von Muhammad zu unterscheiden. Jetzt muss ich nicht mehr, denn im Gymnasium gilt es nur Tobias von Luca und diesen von Stefan zu unterscheiden. Das schaffe ich ganz knapp.

Auf der anderen Seite höre ich von Eltern, die von Töss wegziehen, weil man anscheinend vergessen hatte, das einzige deutschsprachige Schweizer Kind in der Klasse zu integrieren. Auch in der Presse ist im Moment viel über Migration und Schule zu lesen. Neugierig habe ich auf der Internetseite des Volksschulamtes geschaut, was denn die Statistiken so hergeben, und sie stellen Töss kein gutes Zeugnis aus: es wird mit der Mittelschulquote gemessen, d.h. wie viele Kinder aus Töss schaffen es in eine Mittelschule, in Prozenten ausgedrückt.

Aber was bedeutet das? Die verharmlosenden, für Multikulti schwärmenden Sozialpädagogen, die mir weismachen wollen, wie wunderbar es ist, fremde Kulturen zu erfahren, um dann mit der Geburt des ersten Kindes von Töss wegzuziehen, sind mir genauso ein Gräuel, wie die Eltern, die stur behaupten, dass kann nicht gut gehen, wenn es über 50 % Kinder hat, die zu Hause eine andere Sprache sprechen. Es kann sehr wohl gut gehen, in der Klasse meiner Tochter waren es mehr als 50%.

Nach langen und intensiven Diskussionen über Sinn und Unsinn von Statistiken bin ich zu folgendem Schluss gekommen: Meine Erwartung an die Schule in Töss ist, dass es ihr gelingt, das Potential, das in den Kindern steckt, zu wecken und zu fördern. Wir sind in Zukunft auf alle Potentiale angewiesen, welche Sprache zu Hause gesprochen wurde, ist statistisch dann nicht mehr relevant.
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Monika Imhof,
in Töss wohnhaft seit 3. April 1993,
Präsidentin Tösslobby

 
Seelenfrieden in Töss
Töss-Blog
Geschrieben von: Monika Imhof   
Dienstag, den 05. Juli 2011 um 09:01 Uhr
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Monika Imhof,
in Töss wohnhaft seit 3. April 1993,
Präsidentin Tösslobby

Seit vielen Jahren findet in Töss alljährlich ein Sommerfest mit Serenade im reformierten Kirchgemeindehaus Töss statt, kurz vor den Sommerferien. Ich selber bin als Mutter einer Tochter, die im ökumenischen Kinderchor singt, seit sieben Jahren dabei, und ich freue mich jedes Jahr darauf.

Letzten Samstag war es also wieder soweit, und erstmals war ich auch aktiv beteiligt, weil ich seit letztem Jahr in der Kantorei mitsinge. Ich bin der Kantorei beigetreten, weil ich merkte, dass Singen Balsam ist für meine Seele.

In Töss kann man in allen Alters- und Lebenslagen singen, das ist einfach toll. Die Tössemer Chöre, die sich unter dem Dach der reformierten Kirche befinden, haben ihren gemeinsamen Auftritt an der Serenade.

Ich habe mir überlegt, warum mir das Fest so gut gefällt, auf den ersten Blick spricht nicht wirklich viel für meine Begeisterung: die Musik ist so konzipiert, dass ein offenes Singen mit allen stattfinden kann, haut mich also auch nicht unbedingt vom Hocker, der Ablauf ist immer derselbe, die Hot Dogs und Kuchen erfüllen die Erwartungen, Alkohol gibt es keinen, also was soll das?

Nach langem Nachdenken bin ich drauf gekommen: es ist das friedlichste und unspektakulärste Fest, das ich kenne, weit weg von einer rauschenden Party, kein Hype, nichts Neues, einfach Serenade.

Es kommen viele ältere Menschen aus dem Quartier, viele Familien mit ihren Kindern, und alle tanzen gemeinsam unter den Fittichen von Francis Feybli Volkstänze. Er kommt jedes Jahr und reisst die ZuschauerInnen erfolgreich von den Stühlen und bewegt sie, mitzutanzen. Wer sein „undeinsundzweiunddreie“ mal gehört hat, vergisst das nicht so schnell. Die Tössemerinnen und Tössemer tanzen friedlich im Freien in die Sommernacht hinein.

Seelenfrieden stelle ich mir so vor.

 
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