Der Güterschuppen ist etwas renoviert

Blick in die KücheNun ist es soweit: Anlässlich des Schuppenfests vom Samstag, dem 28. Mai 2016, wird der aufgewertete Güterschuppen offiziell eröffnet. Die Stadtharmonie Winterthur-Töss wird aufspielen, Matthias Gfeller, der Vizepräsident des Stadtrates und ehemaliger Tössemer, wird die stadträtlichen Grüsse überbringen und auch der Stadtpräsident hat einen Kurzbesuch angekündigt. Vor allem sollen aber die Tössemer und Tössemerinnen die verbesserte Infrastruktur sehen und nutzen.

Die Geschichte, die mit diesem Festakt abgeschlossen wird, begann mit einer herben Enttäuschung: Nach jahrelanger Vorarbeit, Planung, politischer Lobbyarbeit und vielen Versprechungen und Hoffnungen wurde 2014 klar, dass der geplante Umbau des Güterschuppens zu einem ganzjährig nutzbaren Begegnungszentrum den Sparzielen des Stadtrates zum Opfer gefallen war. Dass es nun doch noch Grund für ein Fest gibt ist einigen ausserordentlichen Faktoren zu verdanken, man könnte beinahe von Wundern sprechen.
Faktor 1: Unkonventionelles Vorgehen
Für das ursprüngliche Umbauprojekt hatte der Gemeinderat einen Kredit bewilligt und ins Budget aufgenommen. Dieser war erst teilweise ausgeschöpft, als das Projekt 2014 gestoppt wurde. Ein parteiübergreifendes Team, bestehend aus Lilian Banholzer (EVP), Christa Meier (SP) und Felix Helg (FDP), konnte durchsetzen, dass der Restbetrag von etwa 90'000 Franken ins Budget 2015 hinübergerettet wurde, damit wenigstens das Allernötigste am Schuppen verbessert werden konnte. Für dieses Vorgehen gibt es wahrscheinlich keinen Präzedenzfall und stellte dann auch die Verwaltung vor die Aufgabe, mit dem Geld in kurzer Zeit noch etwas Vernünftiges zustande zu bringen. Aber auch hier ging man unkonventionelle Wege.WCRohbau web

Damit nicht ein Grossteil der Mittel für Planung und Koordination verbraucht werden, wurde eine Baukommission von Freiwilligen aus dem Quartier mit Planung und Umsetzung betraut, einzig die Kostenkontrolle blieb bei einem Mitarbeiter des Bauamtes, der sicherstellte, dass das Geld zweckmässig und im Rahmen des Kredits ausgegeben wird. So war es auch möglich, rasch loszulegen und den Kredit noch im laufenden Jahr auszuschöpfen. Es ist nicht anzunehmen, dass der Gemeinderat das Geld fürs Budget 2016 erneut gesprochen hätte.
Eher unkonventionell ist sicher auch, dass sich der Stadtpräsident persönlich auf die Suche nach weiteren Mitteln machte und schliesslich von einer Stiftung einen namhaften Betrag zugesagt bekam. Dies ermöglichte der Baukommission, über das absolute Minimum hinaus auch noch einige zusätzliche Verbesserungen zu erreichen.
Faktor 2: Der richtige Mann zur richtigen Zeit
Hannes Moos Ohne Hannes Moos wäre das Projekt nicht so möglich gewesen. Der in Töss wohnhafte Architekt ist in seiner Freizeit schon mehrmals als Musiker im Güterschuppen aufgetreten und war spontan und motiviert zu einer Mitarbeit bereit. Er hat rasch die Anforderungen erfasst und überraschende Lösungen gefunden, um diese kostengünstig umzusetzen. So schaffte er es, mit einem einzigen Eingriff in die Bausubstanz, einem Wanddurchbruch von 90 Zentimetern Breite, die Erschliessung der WC-Anlagen im bisherigen Lagerraum zu bewerkstelligen. Dadurch und durch geschickt platzierte Schränke ist die neue Küche auch ganz vom Besucherbereich getrennt (siehe Plan). Die Wiederverwendung von bereits Vorhandenem, wie etwa dem Chromstahl-Abwaschbecken, und der Wahl von möglichst einfachen und normierten Materialien und Geräten half mit, möglichst viel aus dem vorhandenen Geld herauszuholen. So konnten mit den vorhandenen Mitteln ausser den geplanten Arbeiten (WC, Küche, Elektro-Sanierung) auch noch der Abstellraum für Mobiliar saniert und der Aussenbereich geleiseseitig mit einem Geländer gesichert werden.
Darüber hinaus war Hannes Moos in der Lage, den beteiligten Firmen und Handwerkern präzise Ausschreibungen und Aufträge vorzulegen und deren Arbeiten optimal zu koordinieren. Dies alles erledigte er unentgeltlich in seiner Freizeit, einzig für die Bauführung, die auch sein Architekturbüro belastete, verrechnete er eine bescheidene Entschädigung.
Faktor 3: Töss
PlanUmbauMitDurchbruch webDie Freiwilligenarbeit in Töss hat es möglich gemacht, dass die Baukommission aus der AG Güterschuppen rasch gebildet werden konnte und effizient zu wirken begann. Sie beschloss, möglichst Firmen aus Töss mit den Arbeiten zu betrauen. Wegen des erwähnten Zeitdruckes mussten die Offerten rasch eingeholt werden, bereits in den Sommerferien konnte Hannes Moos einen Grossteil der Arbeiten vergeben. Alle angefragten Firmen waren bereit, für das Projekt Güterschuppen äusserst attraktive Angebote zu machen, Einsparmöglichkeiten aufzuzeigen oder gewährten sogar beträchtliche Preisnachlässe (siehe Kasten). Durch ihre Flexibilität ermöglichten sie einen schlanken Ablauf und eine Fertigstellung der wesentlichen Arbeiten lange vor Jahresschluss.
Das erfreuliche Ergebnis
Wer den Schuppen betritt, bemerkt kaum etwas von den Veränderungen, ein Grossteil der Arbeiten erfolgten im östlichen Teil des Gebäudes, der dem Publikum kaum bekannt ist. Im Hauptraum wurden nur die elektrischen Installationen so erneuert, dass die nötige Sicherheit besteht und die Bedienung einfach und gefahrlos möglich ist. Neu ist die Toilettenanlage im bisherigen Lagerraum sowie die Küche mit viel Stauraum für Geschirr und Küchenutensilien. Die verwendeten einfachen Materialien passen zum alten Schuppen. Die Geschirrspülmaschine – übrigens ein Gebrauchtgerät – wird den Nutzern und Nutzerinnen sicher bald unverzichtbar. Die Küche kann aber auch abgeschlossen werden, falls sie für eine Veranstaltung nicht benötigt wird.Rampe h1 web
Die Laderampe auf der Geleiseseite ist nun mit einem Geländer gesichert und kann als gedeckter Aussenbereich genutzt werden, über die Rampe und eine Türe im Geländer ist der Schuppen auch rollstuhl- und kinderwagentauglich.
Dank dem Zustupf der erwähnten Stiftung kann auch die Inneneinrichtung etwas aufgefrischt werden. Die sich in Auflösung befindlichen Bühnenelemente werden durch stabile Plattformen und die alten schweren Stühle durch platzsparend stapelbare leichtere Modelle ersetzt.
Was geblieben ist: Der Güterschuppen ist nicht beheizt und nicht isoliert und damit nicht wintertauglich, deshalb findet die Eröffnung auch erst im Mai statt. Die fehlende Isolation bedeutet auch Einschränkungen bezüglich Veranstaltungen mit Lärmemissionen.
Neu wird der Güterschuppen dem GZ Bahnhof Töss zugeschlagen und wird auch vom Trägerverein GZ Bahnhof Töss betreut. Neu kann er beschränkt auch für private Anlässe gemietet werden. Der Betrieb muss weitgehend kostendeckend sein, mit den Mieteinnahmen müssen nämlich Hauswartung, Reinigung sowie das Inventar bezahlt werden.
Dank den erwähnten drei Faktoren konnte so mit bescheidenen Mitteln und viel Freiwilligenarbeit eine deutliche Aufwertung des Güterschuppens zugunsten des Quartiers erreicht werden.

Miete des Güterschuppens
Neu wird der Güterschuppen nicht mehr von der Quartierentwicklung sondern vom Trägerverein GZ Bahnhof Töss vermietet. Der Mietpreis pro Tag liegt zwischen 100 und 300 Franken, am günstigsten fahren Vereine aus Töss, welche unentgeltliche öffentliche Veranstaltungen durchführen, am meisten bezahlen Auswärtige, die eine geschlossene Veranstaltung organisieren. Details sowie den Kontakt zur Vermietung findet man im Web unter: http://www.toess.ch/gz.

Zuletzt aktualisiert am Freitag, den 12. Februar 2016 um 15:37 Uhr
 

Suche

Agenda

Folgt uns auf

FacebookTwitter