Töss wehrt sich fürs Quartierbüro

quartierentwicklung 150Das Büro der Quartierentwicklung im Bahnhof Töss ist eines der wenigen verwirklichten Ergebnisse des «Projekt Töss». Es wird von Vereinen, Arbeitsgruppen und Einzelpersonen geschätzt. Nun besteht die Gefahr, dass diese Anlaufstelle verschwindet, denn die Stadt will sparen. Doch Töss hält dagegen. Hier der Artikel aus dem aktuellen «Tössemer»:

Von den hochfliegenden Plänen, die im «Projekt Töss» geschmiedet wurden, sind die wenigsten umgesetzt: Auf der Zürcherstrasse hat sich noch nichts verändert, auf dem Reitplatz ist erst ein Bruchteil des Projekts umgesetzt und auch das GZ Bahnhof Töss wartet immer noch auf die Erweiterung durch den Güterschuppen. Das realisierte Vorzeigeprojekt war das Büro der Quartierentwicklung, auch Quartierbüro genannt, das vom Stadtrat als Prototyp für andere Stadtteile gepriesen wurde. Nun mehren sich die Anzeichen, dass der Stadtpräsident – die Quartierentwicklung gehört in sein Departement – auch noch dieses Quartierbüro schliessen will.
Öffentlich wurde das Thema, weil offensichtlich die Situation in Oberwinterthur anders ist als in Töss. In Oberi hatte nämlich die Quartierentwicklung eine Aussenstation nach dem Vorbild von Töss eröffnet. Bei einigen Quartier- und Ortsvereinen war dies anscheinend gar nicht erwünscht, und als die Stadt letztes Jahr die Beiträge an die Quartiervereine wie auch in Töss senkte, schlugen diese Vereine stattdessen die Schliessung des Quartierbüros vor. In Zeitungsberichten in diesem Zusammenhang mussten die Tössemer Vereine dann vernehmen, dass Stadtpräsident Mike Künzle auch über die Zukunft  des Quartierbüros in Töss nachdenke.

Briefe an den Stadtprädidenten
Nun ist es so, dass anders als in Oberwinterthur in Töss das Quartierbüro bestens akzeptiert ist und auch genutzt wird. Als erstes schrieb die SP Töss dem Stadtpräsidenten einen Brief, in dem der Nutzen und die Bedeutung des Quartierbüros aufgezeigt wurde. An der Mitgliederversammlung der Tösslobby, der Dachorganisation der Tössemer Vereine, Parteien und Arbeitsgruppen, wurde beschlossen, mit einem offenen Brief an den Stadtpräsidenten die Unterstützung des Quartiers für die Aussenstelle der Quartierentwicklung deutlich zu machen. Hier die wichtigsten Aussagen aus diesem Brief von Ende März:

  • Die Anlaufstelle Töss hat eine andere Geschichte als diejenige in Oberwinterthur, sie ist eines der am stärksten bewerteten Anliegen des Projekts Töss und wir haben mit Sonja Bolla eine engagierte und im Quartier gut vernetzte Person.
  • Die Anlaufstelle im Quartier fördert die Partizipation verschiedenster Bevölkerungsschichten und verbessert die Integration von Migrantinnen, von alten und jungen Menschen, von sozial benachteiligten und behinderten Personen, also von Menschen, die nur mit niederschwelligen Angeboten erreicht werden können.
  • Die Vereine werden unterstützt, die Vereinsarbeit gewürdigt und publik gemacht, Anliegen der Quartiere und der Bewohnenden aufgenommen. Nicht organisierte Gruppen und Einzel-Personen finden Gehör, ihre Anliegen können durch Vermittlung der Anlaufstelle wieder über Vereinskanäle und Arbeitsgruppen weiterfliessen.
  • Eine Wegrationalisierung der Aussenstelle wäre fatal für Töss und brächte Folgekosten auf anderen Ebenen. Sich anbahnende Integrationseffekte und Präventionsansätze im sozialen Bereich würden abrupt unterbrochen. Die Attraktivität des Stadtteils Töss würde weiter abnehmen.
  • Die Anlaufstelle ist ein wichtiger Anker für die vielfältigen Bemühungen der Tösslobby und ihrer Vereine, die in Arbeitsgruppen (AG Naherholung, Verkehr, Integration, u.a.), mit Quartieranlässen und kulturellen Darbietungen unzählige Stunden von Freiwilligenarbeit leisten, um Lebensqualität und soziale Kontakte im Stadtteil aufrecht zu erhalten und zu verbessern.

Unverbindliche Antwort
Mitte April beantwortete Stadtpräsident Künzle im Namen des Stadtrates beide Briefe in einem fast gleichlautenden Schreiben. Darin wird das Engagement der SP Töss respektive der Tösslobby ausführlich gewürdigt. Auch wird festgehalten: «Der Stadtrat ist sich bewusst, dass die Anlaufstelle im Bahnhof Töss für die Quartierbevölkerung ausserordentlich wichtig ist und als niederschwelliger, unkomplizierter Treffpunkt positiv bewertet wird. Die Anlaufstelle hat, im Gegensatz zu Oberwinterthur, den Rückhalt der lokalen Vereine und Institutionen und ist im Stadtkreis mittlerweile gut verankert. (…) Auch die Mitarbeiterin der Fachstelle Quartierentwicklung leistet vor Ort wertvolle Arbeit.» Anschliessend wird aber auf die Finanzlage der Stadt und einen «definitiven Entscheid noch vor den Sommerferien» verwiesen. Somit bleibt alles offen, die Tösslobby wird das Thema sicher bei einem bereits seit längerem geplanten Treffen mit dem Stadtpräsidenten zur Sprache bringen.
Aus Tössemer Sicht gäbe es dazu noch allerhand zu sagen, etwa dass der Begriff Quartierbüro ursprünglich eine viel umfassendere Bedeutung hatte, welche von der Quartierpolizei bis zur Jugendarbeit alle Stadtteilbezogenen städtischen Stellen umfasste. Zu den im Vordergrund stehenden finanziellen Argumenten: Die Schliessung des Büros brächte keine Ersparnis, da dieses von der SBB langfristig gemietet wurde und kaum anderweitig verwendet werden kann. Gespart wurde an der Aussenstelle ja bereits, die Präsenzstunden mussten massiv reduziert werden, da Sonja Bolla aufgrund der Stellenreduktion in der Quartierentwicklung neben Töss neu noch andere Quartiere betreuen muss. Verloren gehen würde bei einer Schliessung des Quartierbüros auch der Multiplikationseffekt, denn jede Stunde, welche Sonja Bolla in Töss aktiv ist, unterstützt, ermöglicht und motiviert ein mehrfaches an Energie und Zeit von Freiwilligen in den verschiedenen Vereinen und Arbeitsgruppen.
Der nächste «Tössemer» erscheint nach den Sommerferien. Bis dann sollte die Stadtregierung rätig geworden sein – und wir werden darüber berichten.

Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, den 28. Mai 2014 um 16:04 Uhr
 

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